Christoph Mäder: Was kommt nach den Zöllen?
Die geopolitischen Spannungen und handelspolitischen Verwerfungen nehmen spürbar zu. Am Weltwirtschaftsforum in Davos wurde deutlich, wie sehr Machtpolitik und Protektionismus internationale Partnerschaften unter Druck setzen. Vor diesem Hintergrund stellt sich für die Schweiz dringlicher denn je die Frage nach der richtigen strategischen Antwort. Christoph Mäder, Präsident unseres Dachverbandes economiesuisse, ordnet in seinem «Standpunkt». vom 28. Januar die Entwicklungen ein.

Das WEF in Davos war ereignisreich und spiegelt die Turbulenzen auf der Weltbühne seit Jahresbeginn. Trumps Forderung nach Grönland und Zolldrohungen gegen Europa haben die westliche Allianz arg belastet. Obwohl der US-Präsident die Drohungen zurücknahm und einen «Framework-Deal» ankündigte, bleibt die Botschaft klar: Die USA setzen auf Macht statt Bündnisse. Und man fragt sich zurecht: Was kommt nach den Zöllen? Die Kanadier werden sagen: Neue Zolldrohungen. Denn bereits jetzt warnt Trump vor 100-Prozent-Zöllen, falls Kanada ein Abkommen mit China abschliesst.
Schweiz ist handelspolitisch an vielen Fronten gefordert
Auch für die Schweiz dauert die Unsicherheit an. Ein stabiles Handelsabkommen mit den USA kann die Situation beruhigen und hat deshalb hohe Priorität. Zugleich ist der Bundesrat auch anderswo gefordert. Italien plant neue protektionistische Massnahmen gegen Drittstaaten und damit auch gegen Schweizer Exporteure. Und auch die EU-Stahlzölle belasten die Schweizer Wirtschaft. Handelspolitisch muss die Schweiz an allen Fronten am Ball bleiben, gezielt Lösungen suchen und darüber hinaus das Netz verbindlicher Handelsverträge konsequent weiter ausbauen.
Auf die Stärken des Standorts Schweiz setzen
Gleichzeitig sollte die Schweiz auf die Stärken setzen – und den Standort stärken. Die Revolution der künstlichen Intelligenz ist nicht aufzuhalten. Jenseits von Datenzentren, «Cloud Computing» und «Large Language Models» gibt es einen breiten Anwendungsbereich von KI. Nvidia-Chef Jensen Huang hat am WEF betont, dass Europa mit seiner Industrie für die Anwendung von künstlicher Intelligenz sehr gut aufgestellt sei. Das gilt ganz besonders für die Schweiz.
Die Schweiz kann mit ihrem Präzisionsmaschinenbau, mit Pharma und Chemie, aber auch mit der starken Präsenz auf den Finanzmärkten profitieren. Die künstliche Intelligenz kann die Forschung weiter beschleunigen und Prozesse nicht nur in der Forschung und Entwicklung, sondern gerade auch in der Produktion optimieren. Die Stärke liegt darin, Innovationen rasch in marktfähige Produkte umzusetzen. Ein wichtiger Faktor dabei ist das durchlässiges Bildungssystem, das Theorie und Praxis eng verknüpft, duale Lehren fördert und hohe Flexibilität bietet. Die Kombination aus Fachkräften, Forschung und Unternehmertum macht uns resilienter gegenüber geopolitischen Störungen.
Zentral ist zudem: Gerade in Zeiten, in denen es handelspolitisch turbulent ist, darf die Schweiz keine wirtschaftspolitischen Fehler begehen. Es gilt, die Handelsbeziehungen zur EU zu sichern und wo sinnvoll auszubauen. Fachkräfte sind und bleiben der Schlüssel für Wachstum und Innovation. Die Schweiz darf sich durch starre Bevölkerungsdeckel bei der Rekrutierung von Arbeitskräften nicht selbst das Bein stellen. Auch liegt ein Abgleiten in eine Schuldenwirtschaft nicht drin. Die Schweiz muss die Schuldenbremse hochhalten und Entlastungsprogramme konsequent umsetzen.
Das persönliche Fazit: Die Schweiz darf sich nicht verzetteln und muss konsequent die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessern. Es braucht jetzt den vollen Fokus auf eine starke Wirtschaftspolitik.
Dieser Beitrag ist ein Auszug des Newsletters "Standpunkt." von Christoph Mäder, Präsident von economiesuisse, den Originaltext finden Sie hier.