BSS-Studie belegt: Erhöhungen der Lohnbeiträge sind schädlich für Standort und Generationengerechtigkeit
In der Debatte um milliardenschwere Mehrausgaben werden vermehrt höhere Lohnbeiträge als Finanzierungslösung ins Spiel gebracht. Eine neue Studie von BSS Volkswirtschaftliche Beratung warnt vor diesem Weg: Lohnabgaben belasten die Erwerbsarbeit einseitig, schwächen die internationale Standortattraktivität und verschärfen Verteilungskonflikte zwischen den Generationen. Zudem schwächen höhere Abgaben die Erwerbsanreize insbesondere für Frauen und ältere Arbeitnehmende.
Höhere Lohnabgaben schwächen Standort und Arbeitsanreize
Auslöser der aktuellen Diskussion um höhere Lohnbeiträge und/oder eine Erhöhung der Mehrwertsteuer sind politisch beschlossene oder diskutierte Vorhaben mit dauerhaft hohen Kosten, darunter die 13. AHV-Rente, weitere Reformschritte in der Altersvorsorge sowie zusätzliche familienpolitische Ausgaben. Eine neue Studie von BSS Volkswirtschaftliche Beratung im Auftrag unseres Dachverbands, dem Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV), zeigt, dass insbesondere höhere Lohnabgaben erhebliche negative wirtschaftliche und gesellschaftliche Nebenwirkungen haben.
Für einen Hochlohnstandort wie die Schweiz sind die Arbeitskosten ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Die Studie belegt, dass höhere Lohnabgaben Investitionen bremsen, die Kaufkraft schwächen und die Standortattraktivität deutlich reduzieren. Bereits ein zusätzlicher Prozentpunkt bei den Sozialversicherungsbeiträgen senkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein internationaler Unternehmenshauptsitz für die Schweiz entscheidet, um rund 7.4 Prozentpunkte. Lohnabgaben sind für Standortentscheide besonders relevant, da sie – im Gegensatz zu Gewinnsteuern – kaum durch Gestaltungsmassnahmen reduziert werden können.
Höhere Lohnbeiträge gehen stark zu Lasten erwerbstätiger Familien
Lohnbeiträge werden ausschliesslich auf Erwerbseinkommen erhoben. Renten, Kapitaleinkommen und Vermögen bleiben beitragsfrei. Dadurch tragen insbesondere junge Erwerbstätige und Familien die Hauptlast. Die Studie zeigt, dass Haushalte unter 35 Jahren am stärksten belastet werden, während Rentnerhaushalte – auch mit hohen Einkommen – von Beitragserhöhungen nicht betroffen sind.
Was auf dem Lohnausweis gering erscheint, summiert sich über das Erwerbsleben erheblich. Schon ein zusätzlicher Prozentpunkt bei den Lohnbeiträgen führt für Haushalte mit mittleren Einkommen zu Belastungen – im Median bis zu 73 Franken pro Monat bei den 45–54-Jährigen. Würden die derzeit diskutierten sozialpolitischen Ausbauvorhaben vollständig über Lohnbeiträge finanziert, ergäben sich Belastungen, die einem erheblichen Teil des Vorsorge- oder Eigenkapitals entsprechen.
Negative Erwerbsanreize verschärfen den Fachkräftemangel
Höhere Lohnabgaben senken die Nettolöhne und schwächen die Erwerbsanreize, insbesondere bei Frauen und älteren Arbeitnehmenden. Die Studie zeigt, dass diese Gruppen besonders sensibel auf sinkende Erwerbserträge reagieren, was zu Pensenreduktionen oder einem Rückzug aus dem Arbeitsmarkt führen kann. In Zeiten des strukturellen Fachkräftemangels ist dies volkswirtschaftlich besonders problematisch.
Vergleich der Instrumente: Mehrwertsteuer ist generationenverträglicher
Im Vergleich zu Lohnabgaben verteilt eine gleichwertige Erhöhung der Mehrwertsteuer die Last breiter auf alle Konsument:innen und bezieht auch Nichterwerbstätige ein. Aus intergenerationeller Sicht ist die MWST das fairere Instrument. Sie belastet die Erwerbsarbeit nicht direkt und verhindert damit die beschriebenen negativen Anreize für das Arbeitsangebot. Aber auch die MWST hat volkswirtschaftlich unerwünschte Effekte. Deshalb bleiben strukturelle Reformen, also systemische Anpassungen, die Finanzierung und Funktionsweise unserer AHV grundlegend angehen, aus Sicht der Arbeitgeber zwingend.
Keine weiteren Belastungen für die Arbeit
Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: Höhere Lohnabgaben schwächen den Wirtschaftsstandort, belasten die junge Generation und verschärfen den Fachkräftemangel. Gemeinsam mit dem SAV lehnt die HKGR zusätzliche Erhöhungen der Lohnbeiträge ab und fordert stattdessen eine hohe Ausgabendisziplin und strukturelle Reformen.